Experten warnen davor, dass die Ostsee auf eine große Ölkatastrophe zusteuert
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Die Ostsee, eines der verkehrsreichsten und ökologisch empfindlichsten Gewässer der Welt, steht am Rande einer großen Umweltkatastrophe. Laut dem schwedischen Experten für Seeverkehrssicherheit , Jonatan Thörnqvist, ist eine großflächige Ölpest in der Region keine Frage des "ob", sondern des "wann", berichtet Schwedische Fernsehnachrichten.
Mit mehr als 2.000 Handelsschiffen, die täglich die engen Seewege befahren - darunter Öltanker, Chemikalientanker und Massengutfrachter - steigt das Risiko einer Kollision, eines Auflaufens oder eines mechanischen Versagens. Die geringe Tiefe der Ostsee, der begrenzte Wasseraustausch und die empfindlichen Ökosysteme machen sie besonders anfällig für langfristige Schäden durch Ölverschmutzung.
Ein dichtes und komplexes Meer
Die Ostsee wird von neun Ländern umschlossen, darunter Schweden, Finnland, Russland, Deutschland und Polen. Sie ist ein geopolitischer Knotenpunkt und eine Handelsader, deren Verkehr in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen hat. Nach Angaben der Helsinki-Kommission (HELCOM) hat die Zahl der Gefahrguttransporte seit 2015 um mehr als 30 % zugenommen.
Die engen Meerengen der Region und die überlasteten Schifffahrtswege - vor allem um die Dänische Meerenge und den Finnischen Meerbusen - sind Hotspots für Beinaheunfälle und kleinere Unfälle. Allein im Jahr 2023 verzeichnete HELCOM 38 Ölunfälle, von denen die meisten auf betriebliche Einleitungen oder Unfälle in Häfen zurückzuführen waren.
Fragile Umwelt
Im Gegensatz zu offenen Ozeanen hat die Ostsee eine begrenzte Zirkulation und einen geringen Salzgehalt, was bedeutet, dass Schadstoffe länger verweilen und langsamer abgebaut werden. Eine größere Ölpest könnte die Fischbestände, Seevogelpopulationen und Küstenlebensräume für Jahrzehnte zerstören. Das WWF-Programm für die baltische Ökoregion hat wiederholt davor gewarnt, dass die Widerstandsfähigkeit des Meeres durch Eutrophierung, Überfischung und Klimawandel geschwächt wird.
Thörnqvist betonte, dass die Katastrophenschutzkapazitäten in der Region uneinheitlich sind. "Einige Länder verfügen über robuste Flotten zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen und über Eindämmungssysteme. Andere sind stark auf internationale Hilfe angewiesen", sagte er gegenüber SVT.
Aufforderung zum Handeln
Umweltgruppen und Befürworter der Sicherheit im Seeverkehr fordern die Ostseeanrainerstaaten auf, die gemeinsame Überwachung zu verstärken, strengere Vorschriften für den Schiffsverkehr durchzusetzen und in eine Infrastruktur für die schnelle Reaktion zu investieren. Die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) hat Satellitenüberwachung und Drohnenpatrouillen eingesetzt, um illegale Einleitungen aufzuspüren, doch die Durchsetzung bleibt lückenhaft.
In Schweden hat die Küstenwache ihre Ausbildung und Bereitschaft erhöht, aber die Beamten räumen ein, dass ein großes Leck - vor allem bei winterlichen Eisverhältnissen - die derzeitigen Ressourcen überfordern würde.
Eine globale Warnung
Die Situation in der Ostsee erinnert an ähnliche Probleme in anderen halbgeschlossenen Meeren wie dem Mittelmeer und dem Südchinesischen Meer, wo dichter Schiffsverkehr und empfindliche Ökosysteme aufeinander treffen. Experten zufolge könnte die Ostsee als Testfall für die internationale Zusammenarbeit beim maritimen Risikomanagement dienen.
Wie Thörnqvist es ausdrückte: "Wir segeln blind in eine Katastrophe. Die Zeit zum Handeln ist jetzt gekommen."
Bildnachweis: Wikipedia Creative Commons Lizenz
Das russische Kranschiff Stanislav Yudin beim Aufrichten der gekenterten Schubleichter-Kombination (integrierter Schlepper und Lastkahn) Finn-Baltic vor Hanko am 27. Januar 1991.
Suomi: Venäläinen nosturialus Stanislav Yudin kääntämässä kaatunutta puskuproomuyhdistelmä Finn-BalticiaHangon edustalla 27. tammikuuta 1991.
Datum: 27. Januar 1991
Quelle:
https://www.flickr.com/photos/141806384@N07/36247473790
Autor: Unbekannt; mit freundlicher Genehmigung des Kymenlaakson museo, Merivartiomuseo.